Liposuktion bei Lipödem – bald Kassenleistung? Was Betroffene erwarten können

Liposuktion bei Lipödem – bald Kassenleistung? Was Betroffene erwarten können

„Bis zu drei Millionen Frauen mit krankhaften Fettverteilungsstörungen leiden täglich darunter, dass die Krankenkassen ihre Therapie nach einem Gerichtsurteil nicht bezahlen. Ihnen wollen wir schnell und unbürokratisch helfen.“
(Zitat Jens Spahn, Bundesgesundheitsminister)   

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Bislang weigern sich die Krankenkassen jedoch meist, die Kostenübernahme für die Therapie Liposuktion bei Lipödem zu leisten. Vielleicht bist du selbst oder Bekannte von dir betroffen oder du fragst dich, was man überhaupt unter einem Lipödem versteht. Der erste Schritt zur Lösung der vielfältigen Probleme, die mit einem Lipödem einhergehen können, ist, ein solides Wissen über die Erkrankung zu erlangen und somit einschätzen zu können, wie die Therapiemöglichkeiten für einen ganz individuell aussehen können. Deshalb klären wir in diesem Artikel die wichtigsten Fragen rund um das Thema Lipödem.

 

Was ist ein Lipödem?

Das Lipödem ist eine schmerzhafte, chronische und oft verkannte Fettverteilungsstörung, besser bekannt unter der Bezeichnung „Reiterhosenphänomen“ oder „Säulenbein“.
Während des stets fortschreitenden Verlaufs dieser Erkrankung erfolgt eine unnatürliche Ansammlung von Fettgewebe an bestimmten Körperregionen.
Die Ablagerung findet symmetrisch überwiegend im Oberschenkel-, Gesäß- und Hüftbereich sowie am Unterschenkel und an der Innenseite der Kniegelenke statt. Im fortgeschrittenen Stadium können zudem Arme und Nacken in Mitleidenschaft gezogen werden.
Millionen von Frauen leiden aufgrund der Schmerzen, Druckempfindlichkeit und erhöhter Neigung zu blauen Flecken sowie aus ästhetischen Gründen physisch und psychisch unter dieser Krankheit.
Auch wenn zunächst keine Schädigung des Lymphsystems vorausgeht, ist der Lymphkreislauf gefährdet und die Neigung zu Ödemen erhöht, also die Einlagerund von Flüssigkeit aus dem Gefäßsystem in den Beinen, Füßen oder sogar im Gesicht. Deshalb sollten Lipödeme auf jeden Fall behandelt werden.

 

Wer ist vom Lipödem betroffen?

Betroffen sind von dieser Krankheit fast ausschließlich Frauen. Die Anzahl der am Lipödem erkrankten Mädchen und Frauen wird auf 3 bis 4 Millionen geschätzt.
Aufgrund nicht gesicherter Diagnosen ist zu vermuten, dass die Dunkelziffer noch weitaus höher liegen mag.
Erfahrungsgemäß beginnt das Lipödem zumeist mit der Pubertät und schreitet im Rahmen einer Hormonumstellung durch Schwangerschaft oder durch das Eintreten der Wechseljahre weiter fort.
Bedingt durch Stress oder psychische Belastungen können sich auch zwischendurch Schübe zeigen. Die Ursachenforschung vermutet genetische Prädispositionen sowie hormonell bedingte Gründe. Belegt ist dies bisher jedoch noch nicht.

 

Wie bemerkt man, ob man betroffen ist?

Die Symptome des Lipödems verlaufen immer symmetrisch und äußern sich wie folgt:
Beide Beine schwellen nach längerem Sitzen oder Stehen an, vor allem die Unterschenkel sind in der zweiten Tageshälfte stärker betroffen.
Die Beine sind schmerzhaft, druck- und berührungsempfindlich, sie fühlen sich deutlich schwerer an.
Es bilden sich schnell und vermehrt blaue Flecken, die zudem schmerzhaft sind.
Das Anheben der Arme bei z.B. Überkopfarbeiten gelingt nur mit größter Mühe.
Berührungsempfindliche Verhärtungen (Knötchen) sind im Unterhautgewebe zu spüren, die Haut zeigt typische Dellen auf.
Zudem fühlt sich die Haut durch eine schlechtere Durchblutung eher kalt an.

 

In welchen Stadien erfolgt die Erkrankung Lipödem?

Hautveränderungen:

Stadium I: Feinknotig – „Orangenhaut“.
Stadium II: Grobknotig – einhergehend mit größeren Dellen, das sogenannte „Matratzenphänomen“.
Stadium III: Große deformierte Hautlappen und Wülste.

Schweregrade:

Typ I: Unnatürliche Fettvermehrung im Bereich von Gesäß und Hüften (Reiterhosenphänomen).
Typ II: Das Lipödem zeigt sich bis zu den Innenseiten der Knie in Form von Fettlappenbildungen.
Typ III: Krankhafter Verlauf von den Hüften bis zu den Knöcheln.
Typ IV: Arme und Beine sind bis zu den Handgelenken bzw. Knöcheln – mit Ausnahme von Füßen und Händen, betroffen.
Typ V: Vermehrte Wassereinlagerung in Hand- und Fußrücken sowie Fingern und Zehen (Lipolymphödem).

Fatal ist, dass die Erkrankung zumeist noch sehr unbekannt ist, dadurch oft verkannt und häufig als Adipositas abgetan wird.
Beim Lipödem handelt es sich jedoch nicht um Fetteinlagerungen, die durch Übergewicht entstanden sind. Hier zeigen sich nicht die typischen Symptome eines Lipödems wie zum Beispiel Druckempfindlichkeit, kalte Haut oder Schweregefühl.
Zu differenzieren vom Lipödem sind zudem Herz-, Nieren- oder Veneninsuffizienzen.
Wichtig ist das frühzeitige Erkennen des Lipödems durch einen Facharzt.
Die richtigen Ansprechpartner sind hier Lymphologen, Phlebologen sowie Angiologen und Gefäßzentren. Wenn du nun im Verlauf des Artikels festgestellt hast, dass ein oder mehr Kriterien auf dich zutreffen, so solltest du einen Arzt aufsuchen. Lass dich auf keinen Fall von einem Arzt verunsichern, der dir weis machen möchte, dass du einfach nur übergewichtig bist, wenn du mehrere Symptome feststellen konntest.

 

Welche Therapien bieten sich bei der Diagnose Lipödem an?

Es gibt bis Dato keine vollständigen Heilungsmethoden, da die Ursachen von Lipödemen noch unklar sind. Symptome und die damit einhergehenden Beschwerden können jedoch gelindert werden.
Die konservative Therapie reicht dabei von der Kompressionsbandage bis hin zur manuellen Lymphdrainage und zählt zu den Kassenleistungen.
Die betroffenen Regionen sollen durch regelmäßige Lymphdrainage sanft entstaut und Wasserablagerungen sowie Schwellungen gemindert werden. Alternativ bietet sich eine operative Therapie an.
Hierbei handelt sich um eine Fettabsaugung des krankhaft vermehrten Fettgewebes.
Die Operation soll den Betroffenen die Schmerzen nehmen und die Lebensqualität nebst Mobilität wieder steigern. Noch zählt diese Therapieform nicht zu den Kassenleistungen.

 

Frau Dr. Giessler aus München (https://www.plastische-chirurgie-giessler.de) zählt zu den erfahrenen Fachärzten, zu deren Fachgebieten die Fettabsaugung zählt, eine gängige Behandlungsmethode bei Lipödemen. Sie kann im persönlichen Vorgespräch über Risiken und Behandlungsabläufe aufklären und erläutern, weshalb eine Fettabsaugung bei Lipödemen aufwendiger ist als eine normale Fettabsaugung. Durch das persönliche Gespräch auf Augenhöhe fällt es so den meisten Frauen leichter, über ihre Beschwerden zu sprechen und die geeignete Therapiemöglichkeit für sich zu finden.

„Da keine Empfehlung des Gemeinsamen Bundesausschusses (G-BA) für die Liposuktion vorliegt, ist sie keine Regelleistung der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV), sondern gehört zu den „Neuen Untersuchungs- und Behandlungsmethoden“ (NUB). Also müssen die Patientinnen die Behandlung selbst bezahlen. Früher konnten gesetzliche Krankenkassen die Kosten dafür in einer Einzelfall-Entscheidung übernehmen, sofern die medizinische Notwendigkeit für eine Fettabsaugung des Lipödems festgestellt wurde. Dies ist seit dem 24. April 2018 nicht mehr möglich.
(www.lipoedemportal.de)

Für viele Betroffene könnte sich dies nun bald ändern. Bundesgesundheitsminister Jens Spahn hat angestoßen, dass eine Fettabsaugung bei Lipödem Kassenleistung werden soll.

Quellen:

  • www.bundesgesundheitsministerium.de/lipoedem.html
  • www.aerzteblatt.de
  • www.wikipedia.de
  • www.lipoedemportal.de
  • www.plastische-chirurgie-giessler.de/lipoedeme-wie-entstehen-die-fetteinlagerungen-und-was-kann-ich-dagegen-tun/
  • Selbsthilfegruppe Lily Turtles, Winsen/Aller
  • Titelbild: Adobe Stock, (c) TR
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