Herausforderungen und Herangehensweisen beim Umgang mit dementen Pflegepatienten

Herausforderungen und Herangehensweisen beim Umgang mit dementen Pflegepatienten

Herausforderungen und Herangehensweisen beim Umgang mit dementen Pflegepatienten

Die Pflege eines Menschen ist bereits eine Herausforderung für Pflegende und Angehörige. Jedoch besteht in den meisten Fällen die Möglichkeit einer wenig oder gar nicht eingeschränkten Kommunikation: Der Patient und die ihn Umsorgenden können Informationen auf einer Ebene austauschen und somit an der Bedürfniserfüllung arbeiten. Anders ist dies jedoch bei Patienten, welche eine Demenz entwickelt haben. Sie stellen ihr Umfeld vor ganz andere Herausforderungen, weil der Hauptkanal der Kommunikation – das Mitteilen und Interpretieren von Informationen sowie das gezielte Speichern und Abrufen derselben – erheblich behindert wird.

Erschwerend kommt hinzu, dass eine dem nicht gerechte Kommunikation nicht selten in unschönen Situationen endet. So kann der Betroffene aggressiv werden, Verwirrung erleben oder scheitert daran, ein dringendes Bedürfnis mitzuteilen. Für alle Beteiligten bedeutet dies eine Mehrbelastung.

 

Betreute Selbstbestimmung ist ein Schlüsselelement

Es besteht jedoch die Möglichkeit, mittels einiger kommunikativer Kniffe und Alltagsmaßnahmen, die Kommunikation und die Situation für den Demenzkranken zu erleichtern. Hierfür muss verstanden werden, was Kommunikation im Falle einer vorliegenden Demenz noch bedeutet und wie es gelingen kann, Missverständnisse vorzubeugen.

Kurzum: Die Kommunikation des Inhalts willen, die im Alltag in aller Kürze praktiziert werden kann, weicht einem Kommunikationsverhalten, das den Erkrankten an die Hand nimmt. Die Kommunikation soll ihn nicht verwirren oder überfordern, sondern ihm signalisieren, dass Angehörige und Pfleger für ihn da sind und ihm helfen.

Dabei darf ihm nicht die eigene Persönlichkeit abgesprochen werden. Wenngleich die kognitiven Fähigkeiten nachlassen, wird immer ein Stück Selbstbestimmung – in diesem Zusammenhang kann wohl von betreuter Selbstbestimmung gesprochen werden – erhalten bleiben.

 

Regeln für die Kommunikation mit dementen Pflegepatienten

Demenz bedeutet den Verlust von Orientierung, Erinnerung, Persönlichkeit und manchmal auch der richtigen Worte. Ein an Demenz erkrankter Mensch stellt deshalb andere Bedürfnisse an seinen Alltag als ein gesunder Mensch. Er plant nicht voraus, er denkt oftmals nicht weit zurück und zuweilen ist ein und dieselbe Situation, die er schon oft erlebt hat, plötzlich neu.

Eindrücke, die ein an Demenz erkrankter Patient hat, wirken bei ihm anders: Er muss sie oftmals neu einsortieren, aber das gelingt zum Teil nicht. Wesentliches ist nicht mehr vorhanden und entsprechend kann ein geplantes und sicheres Umgehen mit Situationen und Menschen im Alltag nicht mehr gelingen. Begriffe haben plötzlich keinen Sinn mehr und komplizierte Inhalte werden nicht mehr verstanden.

Die Kommunikation kann einfacher werden, wenn mit dementen Pflegepatienten strukturiert und unmissverständlich kommuniziert wird. Sätze sollten nicht zu lang sein. Formulierungen, die sich nur mit einem exakten Wissen um den Kontext entschlüsseln lassen („Setz dich bitte an den Tisch [, denn es gibt Essen]“), sollten ausformuliert werden. Wird über Dinge gesprochen, sollte auf sie – wenn möglich – gezeigt werden. Der Betroffene sollte beim Sprechen miteinander stets angesehen werden. Handlungsmotivationen sollten immer die Frage, warum der Patient etwas tun sollte, beantworten.

Dadurch ist es für den Patienten einfacher, das Gesprochene zu verstehen und schnell sinnvoll einzuordnen (und umzusetzen), wodurch es zu weniger Überforderung und Verwirrung kommt. Zugleich stärkt eine gute und sichere Kommunikation die Beziehung zwischen dem Erkrankten, den Pflegern und Angehörigen.

Hierfür ist es auch wichtig, dass der demente Pflegepatient nicht „nur“ gepflegt wird. Er muss am Leben teilhaben können: In Gespräche und einfache Tätigkeiten sollte er eingebunden werden. Insofern er Hobbys und Rituale hat, ist es sinnvoll, ihn zum Ausführen dieser zu ermutigen und ihn darin zu unterstützen.

Besonders wichtig ist das gute Vorbereiten auf Veränderungen im Alltag: Steht an einem Tag noch etwas Bestimmtes auf dem Programm wie Fußpflege oder der Besuch von Verwandten, sollte dem an Demenz Erkrankten dies in regelmäßigen Abständen davor erzählt werden. So ist die Situation für ihn nicht plötzlich neu und kann leichter eingeordnet werden.

 

Lösungen anbieten in Konfliktsituationen

Ein Demenzkranker hat eine andere Wahrnehmung, weil der Geist anders funktioniert. Vieles, was gesunden Menschen keinerlei gedankliche Mühe abringt, fordert den Erkrankten heraus. Er ringt nach Worten und manchmal gelingt ihm das Verknüpfen von Informationen nicht so gut. Wenn er aber kommunizieren will, wird er es versuchen – dann sollte man ihm Zeit geben. Hilfestellung braucht er nur, wenn keiner der Beteiligten mehr schlau aus dem wird, was formuliert wird.

Aggressivität und andere starke emotionale Regungen haben meist einen Auslöser. Wenn der Erkrankte sich entsprechend äußert, hilft aufgebrachtes Verständnis. Es sollte herausgefunden werden, was den Patienten umtreibt. Es sollten Vorschläge zur Lösung gemacht werden. Selten ist der demente Patient einfach nur grundlos wütend. Es reichen zuweilen schon banale Auslöser: Der Betroffene hat gerade das Gefühl, dass Kaffeezeit sei und erwartet (gefühlt) seit Stunden seinen Kaffee, oder etwa ein Besucher wird nur als Eindringling erkannt.

 

Als Angehöriger mit belastenden Situationen besser umgehen

Es steht außer Frage, dass auch die beste Kommunikation das Auftreten unschöner Situationen nicht verhindern kann. Während Pfleger dies im Laufe ihrer beruflichen Laufbahn zu verdauen lernen, tun Angehörige gut daran, sich selbst ein paar Leitlinien aufzuerlegen.

Gerade entfesselte Wut kann ängstigen und die Frage aufwerfen, was man selbst falsch gemacht hätte. Die Antwort hierauf lautet: Meistens nichts. Wenn überhaupt hat man als Angehöriger eventuell selbst etwas nicht gut verstanden, was der demente Pflegepatient mitteilen wollte. Am häufigsten kommt der emotionale Ausbruch durch eine Überforderung zustande. Hierauf hat man als Angehöriger keinen Einfluss, weshalb ein solcher Ausbruch nicht emotional gewertet werden sollte. Er resultiert nicht aus persönlichem Hass.

Wird die Situation zu belastend, können Angehöriger oder auch Pfleger einfach mal den Raum verlassen. Zwar braucht Pflege Zeit und Aufmerksamkeit, aber Pflegende und Angehörige sind auch nur Menschen mit endlichen Reserven. Manchmal hilft es ein paar Minuten an der Luft zu verbringen, um einen kühlen Kopf zu bewahren und dem Betroffenen gleich darauf mit Ruhe und Verständnis zu begegnen.

Die Schonung der eigenen Reserven ist eine Voraussetzung dafür, eine gute Bindung zum Erkrankten aufrecht zu erhalten. Schließlich lässt sich ein gereizter Angehöriger oder Pfleger viel eher gerade durch das manchmal schwierige oder frustrierende Verhalten des Erkrankten aus der Ruhe bringen.

Nicht zuletzt tritt in vielen Fällen von Demenz der Fall ein, dass ein Dialog unmöglich wird. Angehörige haben hier häufig das Gefühl, den Betroffenen ganz zu verlieren. Dann kann es helfen, die Kommunikation ganz einfach auszuführen: durch leichte Berührungen an Hand und Wange, das Füttern mit gemochten Speisen oder ein Lächeln. Auch wenn Worte vielleicht nicht mehr verstanden werden, resultiert aus einer liebevollen Behandlung beim Erkrankten das Gefühl der Geborgenheit und der gegenseitigen Nähe.

 

Michaela Niclaus

 

Zur Autorin:

 

Michaela Niclaus ist Inhaberin der Pflegevermittlungsagentur „help4seniors“ (www.help4seniors.de) in Düsseldorf, welche mittlerweile seit über 10 Jahren in der Pflegebranche tätig ist und 24-Stunden Betreuungskräfte für die Pflege zu Hause vermittelt. Michaela Niclaus hat alltäglich Kontakt mit pflegebedürftigen Menschen und Angehörigen und verfolgt stets die aktuellen Entwicklungen in der Pflegebranche.

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