Mit Mitte 40 oder 50 nochmal ab zum Kieferorthopäden?

Mit Mitte 40 oder 50 nochmal ab zum Kieferorthopäden?

Mit Mitte 40 oder 50 nochmal ab zum Kieferorthopäden?

Wenn Du jenseits der 40 oder 50 Deine Zähne verschönern willst, denkst Du oft an neuen Zahnersatz. Immer mehr Menschen entscheiden sich mittlerweile aber auch im Erwachsenenalter für eine Korrektur von unschönen Zahnfehlstellungen. Erwachsene mit Zahnspangen waren vor ein paar Jahren noch einen Zeitungsbericht wert, wenn es sich bei den Trägern um Prominente handelte. Mittlerweile ist der Anblick nichts ungewöhnliches mehr. Oft bleiben die Zahnspangen sogar unbemerkt, da sie immer unauffälliger werden.

Die Gründe für den Wunsch nach späten Korrekturen sind vielfältig. Ästhetische Ansprüche stehen oft im Vordergrund, jedoch werden der medizinische und funktionelle Aspekt und die Auswirkungen auf das Allgemeinbefinden durch zunehmende Aufklärung in der Bevölkerung immer bewusster.

 

Ursachen für eine späte Zahnkorrektur

Spätestens seit den 90er Jahren werden schiefe Zähne, durch zunehmende Aufklärung und Vorsorge, ganz selbstverständlich im Teenageralter korrigiert.

In früheren Jahren war unser Bewusstsein und Bedürfnis nach makellosen Zähnen und einem perfektem Äußeren nicht so gegenwärtig wie heute. Weder Jugendliche noch ihre Eltern wurden in dieser Zeit beständig durch die modernen Medien mit dem Anblick perfekter Gesichter und strahlender Zahnreihen konfrontiert. Das ästhetische Empfinden war damals ein anderes als heute, weshalb kleinere Fehlstellungen oft ignoriert wurden. Sie wurden damals nicht so sehr als relevanter Makel wahrgenommen.

Zudem waren Zahnspangen in der Vergangenheit nicht selten furchteinflößende, entstellende Gebilde, die unter Jugendlichen Angst und Schrecken verbreiteten und nach Möglichkeit gemieden wurden.

Mittlerweile hat sich die Sensibilität für diese Thematik entschieden erhöht. Viele Menschen, die als Teenager froh waren, keine Spange tragen zu müssen, bedauern dies und wünschen sich heute ein schönes Gebiss. Glücklicherweise ist es dafür nie zu spät.

Nicht selten werden die Zahnfehlstellungen erst mit zunehmendem Alter auffälliger. Das liegt besonders an der natürlichen Wanderungstendenz der Zähne, die im Laufe der Zeit durch unterschiedliche Parameter verstärkt werden kann. Beispielhaft sind da zu nennen, die fehlende seitliche Abstützung der Zähne z. B. durch Zahnverlust. Weiterhin zu nennen sind degenerative Prozesse, die zum Abbau des Zahnhalteapparates führen (Parodontitis) oder auch zu starker Druck auf den Kauflächen durch Zähne pressen oder knirschen. Oft ist es auch so, dass sich mit zunehmendem Alter die Wahrnehmung für ein gesundes und ästhetisches Erscheinungsbild verschärft und dadurch der Wunsch und die Motivation nach einem schönen Gebiss immer stärker wird.

 

Warum lohnt sich die Korrektur von Zahnfehlstellungen auch im höheren Erwachsenenalter noch?

Neben ästhetischen Erwägungen gibt es auch noch andere Gründe, sich in späteren Jahren für eine Zahnkorrektur zu entscheiden. Zahnfehlstellungen beeinträchtigen nicht nur die Optik, sie können auch zu medizinischen Problemen führen.

Primär erschweren gekippte und eng stehende Zähne die Zahnhygiene, da Bereiche entstehen, die mit der Zahnbürste schwer zugänglich sind. Zudem verändert sich bei einer schiefen Zahnreihe der Knochenverlauf. Es entstehen sogenannte Knocheneinbrüche, die häufig Entzündungen hervorrufen. Karies, Parodontitis und Zahnverlust sind vorprogrammiert. Ist die Position der Zähne im Ober- und Unterkiefer zueinander nicht harmonisch, kann es außerdem zu Überbelastungen einzelner Zahnabschnitte und zu einer ungleichmäßigen Abnutzung des Kauapparates kommen.

Zahlreiche Folgeprobleme können entstehen. Zum Beispiel können sogenannte „okklusale“ Störungen auftreten, die ein ungleichmäßiges Zusammenbeißen beim Kauvorgang bewirken. Es können akute und chronische Entzündungen einzelner Zähne durch übermäßige Druckbelastung entstehen. Weiterhin haben die ungleichen Kräfte, über die verspannte, oft schmerzhafte Muskulatur, negative Auswirkungen auf die Kiefergelenke.

Durch Verlagerungen und Kompressionen in den Kiefergelenken können langfristig Kieferklemmen oder Kiefersperren entstehen, mit großen funktionellen und schmerzhaften Einschränkungen bei den Mundöffnungs- und Schließbewegungen. Zudem entwickelt sich eine Art Kettenreaktion der Beschwerden über die Kiefergelenke in die Nacken- und Schultermuskulatur. Kopfschmerzen, Tinnitus, muskuläre Schmerzen mit Bewegungseinschränkungen bis hin zu Bandscheibenvorfällen an der Wirbelsäule können die Folge sein.

All diese Zusammenhänge werden uns Menschen durch gute medizinische Aufklärung immer bewusster. Wir sind in unserer Gesellschaft zunehmend bestrebt die persönliche Lebensqualität zu optimieren. Das individuelle Wohlbefinden und die Gesundheit stehen für die Älteren unter uns an erster Stelle. Es wird mehr Wert gelegt auf gutes und nahrhaftes Essen. Gibt es jedoch Störungen, Ungleichgewichte oder Schmerzen im Mund-Kieferbereich, so verdirbt es einem wahrlich den Appetit.

Und wer von uns kennt nicht die alte Weisheit: „Lachen ist die beste Medizin“? Doch was hilft die beste Medizin, wenn Du sie nicht anwenden kannst bzw. das Lachen vermeidest? – Viele Menschen, die unter Zahnfehlstellungen leiden, wollen ihre Zähne verstecken und können daher nicht mehr unbeschwert lachen. Nicht zuletzt können schiefe Zähne auch zu psychischen Belastungen im Alltag führen. Zahn- und Kieferfehlstellungen sind also nicht nur ein ästhetisches Problem, sondern können durchaus auch ein ernstzunehmendes medizinisches Risiko darstellen.

 

Welche Möglichkeiten der Zahnkorrektur gibt es?

Die beiden häufigsten Behandlungsmethoden sind die Invisalign®-Therapie und die festsitzende Multibracketapparatur.

Bei der erstgenannten Methode trägst Du unauffällige Kunststoffschienen, die die Zähne durch kontrollierten Druck in die gewünschte Richtung bewegen. Die Zahnschienen werden, je nach Anweisung des Arztes, in der Regel, alle 7 – 14 Tage gewechselt. Sie stellen weder im Alltag noch bei der Zahnpflege eine Herausforderung dar und sind optisch sehr diskret.

Die zweite Methode appliziert physikalische Kräfte durch dünne Drahtbögen, die mit Klebebrackets verbunden werden. Die Brackets gibt es nicht nur aus Metall, sondern auch in weniger auffälligen Ausführungen aus Keramik. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass die Brackets lingual, also von innen, angebracht werden. Die Spange ist dann für Dritte nicht unmittelbar sichtbar. Allerdings erschweren besonders die innen liegenden Brackets die Zahnpflege und beeinträchtigen häufig beim Sprechen, da der Zungenraum eingeengt wird.

Welche Methode für Dich die beste ist, sollte individuell entschieden werden. Eine ausführliche Beratung von einem Kieferorthopäden/-in, mit Erfahrung auf dem Gebiet der Erwachsenentherapie, gibt Klarheit und hilft Dir, die richtige Entscheidung zu treffen.

 

Was Du sonst noch über eine späte Zahnkorrektur wissen solltest

Zähne und Zahnfleisch müssen vor dem Beginn einer kieferorthopädischen Zahnkorrektur gesund sein. Sollte eine Gingivitis (Zahnfleischentzündung) oder Parodontitis (Zahnbettentzündung) bestehen, muss diese vorher, genauso wie Karies, beseitigt werden. Andernfalls besteht die Gefahr, dass sich die Entzündung durch Bewegungen der Zähne verstärkt und im schlimmsten Fall zu Zahnverlust führen kann.

Im Erwachsenengebiss sind häufiger Zahnersatz wie Kronen, Brücken oder Implantate vorhanden. Grundsätzlich ist eine Zahnkorrektur auch dann geeignet, nur mit einigen Einschränkungen, da Implantate und Brücken nicht bewegt werden können. Um individuell das beste Ergebnis für Dich zu erreichen, ist hier eine besonders intensive Planung notwendig, auch in Zusammenarbeit mit Deinem Zahnarzt.

Die in Tabak enthaltenen Stoffe greifen nicht nur die Lungen an, sondern schädigen indirekt auch den Kieferknochen. Die Durchblutung und Nährstoffzirkulation wird im Zahnbett stark reduziert, wodurch sich Entzündungen leichter ausbreiten können und Zahnbewegungen erschwert werden. Daher solltest Du während einer kieferorthopädischen Therapie möglichst auf das Rauchen verzichten.

 

Dauer und Kosten der Behandlung sind vom Umfang Deiner Behandlung abhängig

Wie lange die Behandlung dauert, ist sehr individuell. Werden nur leichtere ästhetische Korrekturen vorgenommen, kann das schöne Ergebnis bereits nach 6 bis 9 Monaten erreicht sein. Bei umfangreicheren Korrekturen mit Bissumstellung musst Du Dich aber auf einem Zeitraum von ca. 1,5 bis 2,5 Jahren einstellen. Eine Stabilisierung- und Retentionsphase ist in jedem Fall zwingend notwendig, um das schöne Ergebnis langfristig zu erhalten.

Auch die Kosten für eine kieferorthopädische Therapie sind so unterschiedlich wie der jeweilige Umfang der Behandlung. Die gesetzlichen Krankenkassen beteiligen sich bei Erwachsenen nur dann an den Kosten einer Zahnkorrektur, wenn der Befund so ausgeprägt ist, dass zusätzlich eine kieferchirurgische Bissumstellung notwendig ist. Die privaten Versicherungen übernehmen bei medizinischer Indikation, die Behandlungskosten, entsprechend der vertraglich vereinbarten Tarife.

In jedem Fall ist eine gute und ausführliche Beratung angeraten, um alle Details vorher zu planen. Ein Finanzierungskonzept mit Ratenzahlung hilft oft sehr, Dein Traumlächeln zu verwirklichen.

Wenn die aktive Behandlung der Zahnkorrekturen schließlich erfolgreich abgeschlossen ist, schließt sich die Retentionsphase an. Die Zähne müssen besonders in den ersten Monaten in der neuen Position stabilisiert und gehalten werden. Effektive Methoden sind eine durchsichtige und stabile Halteschiene oder ein festsitzender Dauerretainer, der unsichtbar von innen befestigt wird.

Nun steht Deinem unbeschwerten, strahlenden Lächeln nichts mehr im Wege.

Lache, denn Lachen ist gesund und macht glücklich!

Dr. Christine Voslamber

 

Zur Autorin:

Dr. Christine Voslamber

Dr. Christine Voslamber ist Fachärztin für Kieferorthopädie und Inhaberin der Voslamber-Praxis für Kieferorthopädie (https://kieferorthopaede-in-berlin.de) in Berlin-Wilmersdorf. Ihre Behandlungsschwerpunkte umfassen die Arbeit mit der hochinnovativen unsichtbaren Zahnspange Invisalign®, die Schlafapnoe- und Schnarchtherapie mittels Unterkieferschiene und die ästhetische Kieferorthopädie in jedem Alter.

 

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